Wissenswertes - Unser Blog

Der Verband Frauenunternehmen im Gespräch mit unserem Mitglied Dr. Marloes Caduff, Gründerin und CEO der Codillion GmbH mit Sitz in Schmerikon. Ihr erst in diesem Jahr gegründetes Unternehmen gewann im September 2016 den Angels for Ladies Award Vol. 6.

«In der Gesellschaft besteht der Bedarf nach Digitaler Bildung, und zwar bereits ab Primarschulstufe. Digitale Bildung soll helfen, den Anforderungen und Auswirkungen der Digitalisierung gerecht zu werden.»

VFU: Marloes, Dein Unternehmen bringt Kindern zwischen 5 und 12 Jahren altersgerecht die digitale Welt und vor allem den «richtigen» Umgang damit nahe. Wie kamst Du auf diese Geschäftsidee?
Marloes Caduff (MC): Einerseits konsumieren Kinder heute häufig und intensiv iPad und Co. Sie werden per Definition „Digital Natives“ genannt, verstehen aber eigentlich nicht, was in einem Tablet oder Handy genau passiert. Andererseits schreitet die Digitalisierung voran und betrifft alle Branchen und Berufe. Ein Automechaniker heisst heute beispielsweise Mechatroniker. Auch meine ältere Tochter ist fasziniert von den neuen Medien – somit begab ich mich auf die Suche nach einem Angebot, welches meiner Tochter diese Thematik näherbringen könnte. Und als ich nicht fündig wurde, war die Idee geboren.

VFU: Welche Hindernisse und evtl. auch eigene Bedenken oder Zweifel musstest Du auf dem Weg zu Deiner Firmengründung überwinden?
MC: Seitens Eltern kamen in Gesprächen vor der Firmengründung unter anderem Bedenken wie die Angst vor Überkonsum, zu viel Bildschirmzeit oder ob Primarschulstufe für Digitale Bildung nicht zu früh sei. Oft habe ich auch in diesem Zusammenhang den Satz «die sollen lieber draussen spielen» gehört – wobei ja das Eine das Andere nicht ausschliesst.

Als ein weiteres Hindernis empfand ich den in Teilen unserer Gesellschaft latent verankerten Wunsch, zumindest die Primarschule so lange als möglich als eine Oase des Analogen zu belassen. Dies bedeutete jedoch nichts anderes, als die Realität auszusperren und in der Schule die digitale Welt einfach abzuschalten. Glücklicherweise haben sich all diese Bedenken und Hindernisse in den wenigen Monaten, in welchen nun Codillion besteht, in Luft aufgelöst. Wir haben durchgehend positive Feedbacks, sowohl von Kindern als auch Eltern.

VFU: Die Jury des «Angels für Ladies Award» hat Codillion als innovativ und zukunftsorientiert beurteilt und Dir deshalb den 1. Preis verliehen. Welche Aspekte des Geschäftsmodells dokumentieren das aus Deiner Sicht am deutlichsten?
MC: In der Gesellschaft besteht der Bedarf nach Digitaler Bildung, und zwar bereits ab Primarschulstufe. Digitale Bildung soll helfen, den Anforderungen und Auswirkungen der Digitalisierung gerecht zu werden. Schulen hinken diesem Anspruch nach, jedoch wird im Lehrplan 21 verlangt (s. Anm. 1), dass «Kinder und Jugendliche bereits in der Primarschule lernen, mit den digitalen Medien kompetent und verantwortungsbewusst umzugehen».

Kinder im Primarschulalter lernen bei uns, wie Computer funktionieren, wie sie Befehle erteilen und ausführen. Konzepte wie «Computional Thinking» (s. Anm. 2) sind ein Eckpfeiler in unserem Konzept. Da Codillion einen Teil dieser geforderten Digitalen Bildung abdeckt, dokumentiert meiner Meinung nach dieser Aspekt am deutlichsten die Innovation und Zukunftsorientierung von unserem Angebot.

VFU: Das Angebot von Codillion bewegt sich in einer schnelllebigen, von permanenten Neuerungen geprägten Branche. Wie gelingt es Dir und Deinem Team, den Innovationsgeist im Unternehmen wach zu halten? Welche Tipps hast Du in diesem Zusammenhang für andere Unternehmerinnen?
MC: Einerseits orientieren wir uns am Markt, vor allem die USA sind wie so oft weit voraus. Es ist wichtig, Trends und Entwicklungen früh zu erkennen und möglichst schnell drauf reagieren zu können. Da wir ein kleines Unternehmen sind, können wir schnell und pragmatisch neue Kursangebote testen. Wenn diese gut ankommen, bauen wir sie aus und optimieren sie. Auch führen wir einen Online Shop, dessen Sortiment wir permanent um neue Lernspielzeuge, Programmierbücher für Kinder und pädagogisch wertvolle Artikel im Programmierbereich erweitern.

VFU: Welche Strategie und konkreten Massnahmen verfolgst bzw. planst Du, damit Dein Unternehmen für zukünftige Entwicklungen und Wachstum gut aufgestellt ist?
MC: Wir schauen intensiv wie sich dieser Bereich weltweit entwickelt. Die Digitalisierung schreitet rasch voran und die Kinder bzw. deren Eltern möchten gerne eine spielerische Einführung in die Welt der Computer. Diese Eltern warten ungern auf eine schweizweite Lehrplan-, noch Lehrerausbildungsreform. Daher bin ich davon überzeugt, dass es in der Schweiz eine Institution wie uns braucht, um Digitale Bildung bereits jetzt abzudecken.

Ein möglicher strategischer Ansatz ist es, mittelfristig auch Schulen von unserem Angebot profitieren zu lassen. Die Kurse könnten entsprechend entweder durch uns oder durch die Schulen selbst durchgeführt werden. Dazu werden wir entsprechenden Lektionen-Abos sowie IT-Mietpakete anbieten, damit die Schulen nicht sofort in IT investieren müssen, sondern zuerst in einem Semester oder in einer Projektwoche das Material und die Lektionen ausprobieren können. Wir haben im Übrigen bereits von 3 Schulen diesbezüglich Anfragen erhalten.

Zur Person und zum Unternehmen:
Wir bringen Jungen und Mädchen zwischen 5 und 12 Jahren spielerisch bei, wie Technik und Computer funktionieren. Sie lernen dabei, dass in Computern mehr steckt als nur Games und Videos. Wir vermitteln Kindern Digitale Bildung in ihren Grundzügen. Wir unterstützen sie darin, die Konzepte zu verstehen, auf denen heutige Technologien aufbauen. Unsere Kurse decken die Grundlagen der Informatik wie Algorithmen, Loops und einfaches Programmieren ab. Codillion wurde 2016 von Marloes Caduff, Ingenieurin und Mutter, gegründet.

Anmerkung 1: Der Lehrplan 21 “ wird von der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz herausgegeben: Lehrplan
http://v-ef.lehrplan.ch/index.php.
Link zum Kapitel Medien und Informatik:
http://v-ef.lehrplan.ch/index.php?code=b%7C10%7C0&la=yes

Anmerkung 2: Computional Thinking vermittelt vereinfacht gesagt die Fähigkeit der Abstraktion von Problemen und das mathematische und algorithmische Denken. Diese Konzepte sind wiederum Grundlagen für das Programmieren.