Wissenswertes - Unser Blog

Rund 40 % der Selbständigen in der Schweiz sind Frauen. Diese Frauen haben Führung für ihr Leben und ihre Arbeit übernommen. Sie wollen selbstbestimmt arbeiten, die meisten möchten auch etwas Positives bewirken. Um erfolgreich zu sein, verleugnen viele Frauen allerdings ihre weiblichen Aspekte. Das erschöpft auf Dauer und führt vielleicht sogar zum Burnout. Und es macht nicht wirklich zufrieden. Gefragt ist eine Beziehung mit uns selbst, die auf Achtsamkeit basiert.

Ich habe das selbst erlebt: Über die Mittagszeit mit knurrendem Magen in stickigen Meetingräumen sitzen, meinen Kalender lückenlos zupflastern und ständig erreichbar sein. In meiner Selbständigkeit wollte ich es anders machen!

Doch ich merkte bald, dass mir das gar nicht so leicht fiel. Ich hatte die Strukturen und Verhaltensweisen aus meinem Angestelltenleben verinnerlicht. Dabei wollte ich dem Schönen, dem Kreativen, dem Sein ‑ dem Weiblichen ‑ mehr Raum geben. Doch wie nur?

Leistung als Kontrolle, ständiges Tun und materieller Erfolg

Wie ich beobachte, ging es nicht nur mehr so. Viele Geschäftsfrauen hegen das Bild, dass Leistung auf Kontrolle, ständigem Tun und materiellem Erfolg beruht. Vor dem Sommer erzählte mir eine Unternehmensberaterin in der Pause einer Veranstaltung, dass sie endlich ihre männliche Seite mehr leben müsse, bisher hätte sie sich viel zu sehr auf ihre weiblichen Anteile gestützt. Männer würden viel selbstbewusster auftreten und ganz selbstverständlich hohe Preise verlangen. Bei ihr bliebe der finanzielle Erfolg jedoch aus.

Natürlich ist es wichtig, dass wir selbstbewusst hinter unseren Produkten und Dienstleistungen stehen. Dass wir Sicherheit im Blick haben und eine Balance zwischen unserer Arbeitsleistung und unseren Einnahmen anstreben ‑ in der Form, wie wir uns das für unseren Lebensstandard wünschen.

Ich halte es allerdings für grundlegend, dass wir Geschäftsfrauen die weibliche Seite mehr leben, um dann das Männliche in positiver Form hereinholen zu können: eben nicht mehr mit kontrollierend-antreibendem Druck, sondern mit gelassener Ausrichtung und freudig-leichter Umsetzung. Das können wir tun, indem wir eine achtsame Beziehung mit uns selbst pflegen.

Eine achtsame Beziehung mit sich selbst pflegen

Hier ein paar Hinweise, wie Sie heute schon damit beginnen können. Manches klingt vielleicht simpel und Sie fragen sich »Was soll das bringen?«. Die Kraft liegt darin, es tatsächlich zu tun, regelmässig.

Halten Sie während des Arbeitstages ein paar Mal kurz inne. Spüren Sie Ihren Atem und den Kontakt der Füsse zum Boden. Hilfreich sind Erinnerungsanker, wie beispielsweise ein Post-It auf dem Bildschirm mit einem für Sie sprechenden Wort oder Symbol. Oder lassen Sie sich von Ihrem Handy mit einem Klingelton erinnern, falls Sie sich dadurch nicht noch mehr gestresst fühlen als sowieso bereits.

Seien Sie freundlich und wertschätzend mit sich selbst. Wenn etwas nicht so läuft, wie Sie es sich vorgestellt haben, Sie sich über sich selbst ärgern oder sich kritisieren, dann wenden Sie sich innerlich zu, mit warmem Blick und mit einem: »Ja, du hast es gerade schwer!«. Es kann auch hilfreich sein, eine Hand auf Ihr Herz zu legen. Probieren Sie es aus, wenn es die Situation zulässt.

Beobachten Sie Ihren biologischen Rhythmus. Sind Sie in der Früh fit und voller Elan? Oder erwacht Ihre Kreativität eher am Abend? An welchem Wochentag haben Sie wiederholt einen Durchhänger? Schauen Sie, welche Erkenntnisse Sie erhalten und wie Sie diese in Ihren Arbeitsalltag einfliessen lassen möchten. Falls Sie beispielsweise – so wie ich – ein Morgenmensch sind, dann gönnen Sie sich frühmorgens etwas Zeit für sich und erledigen Sie Arbeiten, die wirklich wichtig sind, gleich als erstes.

Wir sind Unternehmerinnen. Wir können unser Arbeitsleben doch eigentlich weitgehend so gestalten, wie es uns gut tut. Fangen wir damit an!

Regina Schlager, Coach, Autorin und Korrektorin: Regina Schlager Coaching